LMC Innovan 560: Fiat vs Ford
Eine gewisse Ratlosigkeit bestimmt derzeit das Lebensglück der Wohnmobilhersteller. Die Liste der Produktionsprobleme, die so manchen CEO zur Verzweiflung treiben, ist denn auch ziemlich lang. Die problematische Lieferung des beliebten Fiat-Chassis spielt dabei eine wichtige Rolle. Unter anderem LMC hat hier eine Lösung gefunden, indem der neue LMC Innovan 560 auf Basis eines Ford Transit gebaut wird. Ganz ohne Konsequenzen ist das jedoch nicht.
Fiat hat sich in diesen turbulenten Zeiten einiges an Skepsis eingehandelt, indem Liefervereinbarungen auf dem Wohnmobilmarkt nicht so gut eingehalten wurden. Die Italiener leiden wie jede Marke unter einem Mangel an Chips und anderen entscheidenden Komponenten. Die Nachfrage nach neuen Wohnmobilen übersteigt weiterhin die Kapazität, und die Corona-Probleme setzen die Produktion zusätzlich unter Druck. Aber darüber hinaus wurde auch eine beträchtliche Anzahl von Ducatos an Amazon zugesagt. Dieser Deal bedeutet, dass Herr Bezos jährlich 5500 Exemplare erhält, die dadurch für Wohnmobilhersteller nicht verfügbar sind. Diese Hersteller schauen nicht tatenlos zu. Es führt zu Entscheidungen, die zu Lasten von Fiat gehen.

LMC Innovan 560 auf Ford
Die Entscheidung von LMC, für den Innovan 560 Kastenwagen einen Ford Transit einzusetzen, ist angesichts der Umstände gut nachvollziehbar. Ob man damit jedoch einen besseren Kastenwagen auf den Markt bringt, hat ein paar Einschränkungen. Fiat ist seit Jahren das meistverkaufte Wohnmobil-Chassis aus gutem Grund. Ducatos sind nämlich deutlich breiter und oft auch länger als die Alternativen. Zudem ist der Fiat auch eine preisbewusste Basis und das Servicenetz für Fiat-Wohnmobile ist umfangreicher als das anderer Marken.

Schmaler und Höher
Fiats sind in den Längen 500, 540, 600 und 640 erhältlich. Der Ford Transit, den LMC einsetzt, trägt den Namen 560, misst aber auf einem Parkplatz tatsächlich 600 cm. Das Problem liegt also nicht darin. Die Breite dieses Busses ist eher ein Kopfzerbrechen. Ein Ford Transit ist nämlich neun Zentimeter schmaler als der Ducato. Die maximale Länge eines Querbettes in einem Ford beträgt daher nur magere 1,88 Meter. Für diese langen Niederländer ist das ein Maß, das an ein altmodisches Alkovenbett erinnert. Um zu verhindern, dass diese Gruppe mit Krämpfen aufwacht, könnten mit einem häufiger angewendeten Ausbau in der Seitenwand noch ein paar entscheidende Zentimeter gewonnen werden. Eine Art Slide-out am Fußende ist eine andere Lösung. Diese klappt man während der Fahrt wieder ein, wodurch das Aussehen und die Aerodynamik während der Fahrt nicht beeinträchtigt werden. LMC ist sich jedoch noch nicht sicher, ob diese festen oder flexiblen Ohren im Design einen Platz finden werden. Der LMC Innovan 590 mit dem erhöhten Dach des Ford ist jedoch besser ausgestattet. Der LMC erreicht damit eine komfortable Stehhöhe von über zwei Metern.

Durchgang
Ein weiterer Nachteil eines schmalen Busses ist ein eingeschränkter Durchgang. Neun Zentimeter weniger Spielraum scheinen wenig, aber in der Breite macht ein so kleiner Unterschied doch ein ganz anderes Interieur aus. Die Küchenzeile ist daher aus drei verschiedenen Elementen aufgebaut, die in Höhe und Tiefe immer einen Schritt kleiner werden. Dies kommt dem Durchgang zugute, schränkt aber die Nutzbarkeit der Küche wieder ein. Auch das Badezimmer ist extra kompakt, aber das ist etwas, was man in den meisten Kastenwagen findet.

Zuverlässigkeit
Jede Marke macht mal einen Fehltritt. So hat der neue Mercedes Sprinter schon einige Rückrufaktionen hinter sich, oder Volkswagen bringt gerne mal etwas Neues zu früh auf den Markt, noch bevor es richtig ausgereift ist. Auch Fiat hat ein paar Probleme. Für Italiener ist es sowieso ziemlich schwierig, die Schrauben einer Lüsterklemme fest anzuziehen, was zu fehlerhafter Elektronik führt. Auch wurde in der jüngeren Vergangenheit ein Automatikgetriebe geliefert, das unangenehme Macken entwickeln konnte, am liebsten kurz nach Ablauf der Garantie. Fords Sünde in diesem Licht war eine fehlerhafte Charge von Einspritzdüsen, die Motorprobleme verursachten. Ein Problem, das inzwischen der Vergangenheit angehört, für das die Marke aber dennoch hart abgestraft wurde. Vielleicht etwas zu hart, denn so ärgerlich es auch ist, wenn der Camperurlaub auf dem Standstreifen endet, strukturelle Probleme, bei dem, was im Grunde ein Nutzfahrzeug ist, sind nicht haltbar. Keine Marke wird den Zorn eines Flottenmanagers als gutes Marketing ansehen.
Der Preis eines neuen LMC Innovan 560 auf Ford Transit Basis ist noch nicht bekannt, aber es ist beabsichtigt, den gleichen Betrag wie für den Innovan 600 mit einem Fiat Ducato als Basis zu veranschlagen.
Mehr Informationen: www.lmc-caravan.com
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