Richten Sie Ihren Kastenwagen im Winter selbst ein: Beginnen Sie mit dem Boden, nicht mit den Schränken
Die letzte Campingwoche ist vorbei, der Kastenwagen steht wieder auf der Auffahrt und die Ideen für nächstes Jahr stapeln sich. Für viele Selbstbauer ist der Winter die Jahreszeit zum Basteln. Der Kastenwagen muss nirgendwo hin, man hat Monate Zeit und bis die Campingplätze wieder öffnen, will man fertig sein.
Doch fast jeder beginnt mit dem schönsten Teil: dem Bett, der Küche, den Schränken. Logisch, aber es ist genau die falsche Reihenfolge. Was man jetzt in den Boden und die Wände einbaut, bestimmt, wie flexibel der Kastenwagen in den kommenden Jahren bleibt. Wer Schienen für Wohnmobile in den Aufbau integriert, kann eine Bank, einen Tisch oder eine Kiste später noch verschieben, ohne neu bohren zu müssen.
Erst ein Plan, dann die Bohrmaschine
Ein leerer Kastenwagen lädt dazu ein, sofort loszulegen. Nehmen Sie sich trotzdem zuerst Zeit zum Messen und Zeichnen. Wo schlafen Sie, wo kochen Sie und wie viel Platz bleibt für Fahrräder, Stühle oder eine Kühlbox?
Dabei muss man unterscheiden, was fest sein muss und was sich bewegen darf. Eine Küchenzeile mit Wasserleitung verschiebt man nicht einfach so. Eine Sitzbank, ein Tisch oder eine Aufbewahrungsbox vielleicht schon, zum Beispiel, wenn man den Kastenwagen gelegentlich für einen Umzug oder eine größere Arbeit leer haben möchte.
Inspiration gefällig? Sehen Sie sich an, wie bestehende Kastenwagen aufgeteilt sind im Angebot an Wohnmobilen. Sie sehen schnell, welche Aufteilungen immer wiederkehren und warum. Wenn Sie den Kastenwagen später auf dem Kennzeichen in ein Wohnmobil umbauen lassen möchten, informieren Sie sich im Voraus über die aktuellen Anforderungen der RDW. Dann bauen Sie es auf einmal richtig.
Isolieren und belüften, bevor etwas fest ist
Ein leerer Kastenwagen ist im Winter kalt und feucht. Isolierung hält die Wärme drinnen, aber ohne gute Belüftung bekommen Sie Kondenswasser hinter den Wandpaneelen. Das merken Sie oft erst, wenn es zu spät ist, an einem muffigen Geruch oder Feuchtigkeit im Holz.
Erledigen Sie diese Arbeiten daher zuerst, zusammen mit dem Verlegen von Kabeln und Leitungen. Alles, was später unter dem Boden oder der Wandverkleidung verschwindet, muss jetzt an seinem Platz liegen. Nachträglich noch ein Kabel nach hinten zu verlegen, ist in einem ausgebauten Kastenwagen eine ziemliche Arbeit.
Der Boden trägt mehr, als Sie denken
Der Boden trägt Ihre gesamte Einrichtung und alles, was Sie unterwegs mitnehmen. Viele Selbstbauer legen eine Multiplexplatte auf die Isolierung und schrauben die Möbel daran fest. Das funktioniert, aber eine Schraube nur in einer Bodenplatte hält weniger, als man hoffen würde, wenn bei einer Notbremsung erhebliche Kräfte darauf wirken.
Hier kommen Flugzeugschienen für Wohnmobile ins Spiel. Eine Einbauschiene liegt bündig mit dem Boden, sodass man stolperfrei darüber läuft. Es gibt Ausführungen mit einem Flanschrand, der auf den Bodenplatten aufliegt, und Ausführungen, bei denen der Rand unter den Platten liegt. Eine Aufbauschiene schraubt man auf den Boden. Diese ist einfacher zu montieren, ragt aber ein paar Millimeter heraus.
Welche Sie wählen, hängt von der Dicke Ihres Bodenaufbaus und davon ab, was Sie befestigen möchten. Stellen Sie in jedem Fall sicher, dass die Schienen fest in der Konstruktion des Busses befestigt sind und nicht nur in einer dünnen Platte. Wenn Sie Zweifel an der Befestigung haben, lassen Sie diesen Teil von jemandem mit Erfahrung überprüfen.
Wände und Dach: der Raum, den man oft vergisst
In einem Kastenwagen ist Bodenfläche knapp, daher leisten die Wände mehr Arbeit als zu Hause. Eine Schiene auf Wandhöhe gibt eine feste Linie vor, in die man Haken, Regale oder Halterungen einklickt. Heute hängt dort ein Handtuch, nächste Saison vielleicht ein Regal für Gewürze oder eine Halterung für Wanderschuhe.
Auch am Dach können Sie eine Schiene montieren, zum Beispiel für ein leichtes Struknetz oder eine Lampe, die Sie bewegen möchten. Halten Sie es dort leicht. Schwere Gegenstände gehören tief im Kastenwagen.
Für Gepäck, das keinen festen Platz hat, wie Stühle oder Kisten im Heck, kombinieren Sie eine Schiene gut mit einem Netz.
Möbel, die sich mitbewegen dürfen
Das Schöne an einer flexiblen Einrichtung ist, dass der Kastenwagen mit den Plänen mitwächst. Eine lose Kiste mit einem Kissen darauf ist tagsüber eine Sitzbank und während der Fahrt ein Stauraum. Stellt man sie mit Beschlägen in der Schiene fest, bleibt sie während der Fahrt stehen und man nimmt sie in wenigen Sekunden wieder heraus.
Dasselbe gilt für einen Tischfuß, eine Hundebox oder eine Kühlbox. Beschläge mit einer Öse geben einen festen Punkt für einen Spanngurt. So bleibt nichts lose liegen, auch wenn man einmal stark bremsen muss.
Beachten Sie den Unterschied zwischen Aufbewahrung und Sitzen. Ein Platz, auf dem jemand während der Fahrt sitzt, unterliegt ganz anderen Regeln als eine Aufbewahrungsbox. Diese wird fest eingebaut und genehmigt.
Gewicht und Balance: einmal ausrechnen
Jede Platte, jeder Schrank und jede Batterie zählt. Ein Kastenwagen, der leer weit unter der Grenze liegt, kann nach dem Einbau und mit Gepäck, Wasser und Fahrrädern näher am Maximum liegen, als man erwartet. Mit einem Führerschein B darf man ein Fahrzeug mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 3.500 Kilo fahren.
Wiegen Sie Ihren Kastenwagen daher zwischendurch, zum Beispiel auf einer öffentlichen Waage. Platzieren Sie schwere Teile wie die Batterie, den Wassertank und die Gasflasche so tief wie möglich und vorzugsweise zwischen den Achsen. Das hält den Kastenwagen ruhig in Kurven und bei Seitenwind.
Eine Probefahrt, bevor der Frühling beginnt
Ist der Kastenwagen fertig, macht man eine Fahrt über eine schlechte Straße, bevor man in den Urlaub fährt. Klappert etwas, verrutscht etwas oder springt eine Tür auf? Dann weiß man, wo man noch eine zusätzliche Befestigung benötigt.
Überprüfen Sie nach den ersten Fahrten auch die Schrauben und Beschläge. Material setzt sich, besonders in einem Kastenwagen, der vibriert und Temperaturschwankungen ausgesetzt ist. Eine Viertelstunde mit dem Schraubenzieher im März erspart Ihnen ein ratterndes Fach auf dem Weg in den Süden.
Und dann steht der Kastenwagen bereit. Vielleicht nicht perfekt, aber so gebaut, dass man ihn nächstes Jahr noch anpassen kann.