Veröffentlicht am: 02-01-2021 Geschrieben von: Redaktion Lesezeit: 4 Minuten
Wie sicher ist ein Wohnmobil: in Schweden getestet

Wie sicher ist ein Wohnmobil: in Schweden getestet

Wohnmobile sind beliebt. Aber da diese ehemaligen Nutzfahrzeuge mit maximaler Beladung immer häufiger auf den Straßen unterwegs sind, ist es gut zu wissen, wie sicher sie sind. Das dachten sie sich auch in Schweden. Trafikverket, die schwedische RWD, hat deshalb im Namen der Wissenschaft zwei Wohnmobile gegen die Wand gefahren. Denn wie kommt man bei einem Frontalaufprall aus so einem Ungetüm heraus?

Die Ergebnisse sind alles andere als gut. Es erweist sich als ratsam, einen Frontalaufprall zu vermeiden, denn der Schaden an Mensch und Material ist beträchtlich. Laut den Schweden ist ein Wohnmobil strukturell nicht stark genug, um frontales Unheil zu absorbieren. Das Hauptproblem ist eine zu kurze Knautschzone, die das dahinterliegende Gewicht nicht aufnehmen kann.

Zudem verwandeln sich lose Gegenstände im Wohnmobil in tödliche Objekte. Eine Kaffeemaschine, die lose auf der Arbeitsplatte steht, kann durch einen plötzlichen Aufprall weggeschleudert werden. Solche Gegenstände sollte man also besser verstauen. Dasselbe gilt für die Tische und die Personen, die hinten sitzen. Diese müssen alle angeschnallt sein. Aber selbst dann lösen sich bei einem heftigen Aufprall die Schranktüren und man bekommt das gesamte Inventar über sich.

sicher

Von den drei Wohnmobilarten schneidet ein Kastenwagen bei einem Crashtest am besten ab. Die Originalkarosserie erweist sich als widerstandsfähiger gegen die Aufprallenergie eines Zusammenstoßes. Bei einem Teilintegrierten löst sich der Aufbau hinter der Kabine vom Chassis und bei einem Integrierten steht die gesamte Karosserie neben dem Chassis. Im Großen und Ganzen entspricht ein Crash mit 60 km/h in einem Wohnmobil 90 km/h in einem Pkw.

Was Sie selbst tun können

Um die Sicherheit von Ihnen und Ihren Passagieren zu erhöhen, können Sie zunächst Ihr Fahrverhalten anpassen. Fahren Sie defensiv, berücksichtigen Sie die Eigenheiten anderer und Rasen in einem Wohnmobil ist nicht das, wofür dieses Campingfahrzeug gedacht ist. Alle losen Gegenstände gut zu verstauen hilft natürlich auch. Aber ansonsten sind Sie der Gnade sowohl der Wohnmobilhersteller als auch des Herstellers des Nutzfahrzeugs ausgeliefert. Und die haben in diesem Bereich nicht das Beste für Sie übrig. Wohnmobilhersteller machen aus einem Wohnmobil nun einmal kein stabiles Ganzes.

Wenn Sie eine Schranktür mit zu kleinen Schrauben in Spanplatten montieren, ist das zu schwach. Es gibt auch Marken, die zum Beispiel die Glasabdeckung einer Spüle lose liefern. Sicherheit steht offenbar nicht ganz oben auf der Prioritätenliste.

Das gilt auch für die Hersteller von Nutzfahrzeugen. Seltsamerweise stehen diese Vielfahrer ganz hinten in der Schlange, wenn Sicherheitsausstattungen verteilt werden. So ist ein Beifahrerairbag nicht Standard. Als ob ein Wohnmobilfahrer immer alleine fährt. Knie-, Seiten- oder Kopfairbags sind noch seltener, wenn überhaupt lieferbar. Für den toten Winkel, der in jedem Wohnmobil beträchtlich ist, gibt es gute Lösungen, aber im Ducato und Co. findet man sie ab Werk nicht so einfach. Anstatt eines Kamerasystems, das hinten und seitlich überwacht, bleibt ein völlig nutzloser Innenspiegel am Fenster.

ABS findet man zwar in einem Wohnmobil, aber das liegt daran, dass es Pflicht ist. Etwas, das zeigt, dass von Freiwilligkeit nicht viel zu erwarten ist und in diesem Bereich zusätzliche Regelungen erforderlich sind. Deshalb hat Europa im vergangenen Jahr beschlossen, einen Crashtest für Wohnmobile zur Pflicht zu machen. Derzeit gilt eine Übergangsfrist, damit Wohnmobilhersteller ihre Sünden überdenken können, um schließlich etwas Gutes daraus zu machen.

Mehr Informationen: www.trafikverket.se

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